Sport
und vegetarische Ernährung
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Nahezu 7% aller Deutschen
ernähren sich vegetarisch. BSE und MKS haben diese Zahl sicherlich
weiter wachsen lassen. Schnell lässt sich feststellen, dass es
die vegetarische Ernährung nicht gibt, sondern hinsichtlich Lebensmittelauswahl
einige Unterschiede bestehen.
Wir wollen hier der Frage nachgehen, was Sportler bei einer vegetarischen
Ernährung zu beachten haben. |
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Was ist vegetarische Ernährung?
Es gibt eine Vielzahl von Beweggründen für eine
vegetarische Ernährung. Im wesentlichen dominieren ethische, religiöse
und gesundheitliche Motive. Zunehmend werden auch ökologische und
politische Gründe genannt. In Deutschland wird die Zahl der Vegetarier
auf ca. 5,5 Mio. geschätzt. Der größte Teil ernährt
sich ovo-lacto-vegetabil.
Je nach vegetarischer "Ausprägung" bedeutet dies, eines
oder mehrere Lebensmittel tierischen Ursprungs vom Speiseplan zu streichen.
Die folgende Einteilung stellt keine Beurteilung der Ernährungsweise
dar, sondern soll nur aufzeigen welche vielfältigen Formen unter
den Überbegriff vegetarische Ernährung fallen.
Pseudo Vegetarier
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Nach individueller Beurteilung
werden einige tierische Produkte vom Speiseplan gestrichen, wie z.b.
Fleisch Geflügel, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte, Zu dieser
Gruppe gehören z.B. Personen, die bis auf Fisch auf Fleischprodukte
verzichten, jedoch Milch und Milchprodukte verzehren. |
| Moderne Vegetarier |
Die Ernährung besteht schwerpunktmäßig
aus pflanzlichen Lebensmitteln. Bei Lebensmittel tierischer Herkunft
werden ausschließlich Bioprodukte ausgewählt. |
| Ovo-Lacto Vegetarier |
Milchprodukte (Lacto) und Eier (Ovo) werden
verzehrt, Fleisch- und Fischwaren sind vom Speiseplan ausgeschlossen.
Je nach Ausprägung gibt es noch Ovo- oder Lacto-Vegetarier. |
| Veganer |
Werden auch als strikte Vegetarier bezeichnet.
Lebensmittel tierischer Herkunft werden nicht verzehrt. Dies beinhaltet
unter Umständen auch Honig. |
Vegetarische Ernährung - worauf
müssen Sportler achten?
Im Laufe einer sportlichen Karriere verändern viele
Athleten ihre Ernährungsgewohnheiten. Während die einen verstärkt
auf Zusatzpräparate setzen, versprechen sich andere zum Beispiel
mit einer vegetarischen Ernährung Vorteile für das Training
bzw. den Wettkampf.
Neben den damit verbundenen subjektiven Erfahrungen gibt es bis heute
jedoch keine Daten ob eine vegetarische Ernährung entsprechende Vorteile
bringen könnte. Wesentlich mehr Studienergebnisse gibt es hinsichtlich
eines Zusammenhangs von vegetarischer Ernährung
und Gesundheit.
Vegetarische Ernährung ist mehr als nur auf Fleisch
oder Milchprodukte zu verzichten.
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Es gibt Hinweise, dass eine schlecht geplante vegetarische
Ernährung ein potentielles Risiko für ein mittelfristiges
Nährstoffdefizit und damit verbundenem Leistungseinbruch darstellt.
Aus gesundheitlicher aber auch sportlicher Sicht stellen
sich für Sportler mehrere Fragen:
Kann ich auf bestimmte Lebensmittel verzichten?
Komme ich dadurch in ein Nährstoffdefizit?
Welche Folgen hat dies für meine Leistungsfähigkeit?
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Der Nährstoffmix muss stimmen!
Unabhängig von der Lebensmittelauswahl benötigt der Organismus,
um gesund und leistungsfähig zu bleiben, eine ausreichende
Versorgung mit allen Nährstoffen.
Wer also auf Fleischprodukte/Milchprodukte usw. verzichtet, muss entsprechend
auf andere Lebensmittel ausweichen, um auf die notwendige Menge an Nährstoffen
zu kommen.
Im Folgende sollen daher Nährstoffe besprochen werden,
die bei einer vegetarischen Ernährung defizitär vorliegen können.
Protein
Der Proteinbedarf des Sportlers liegt je nach Trainingsumfang und -intensität
bei 0,8 -1,8 g pro kg Körpergewicht (KG). Eine Unterversorgung mit
Protein kommt in der BRD praktisch nicht vor. Auf die Einnahme zusätzlicher
Proteinpräparate kann im Regelfall verzichtet werden.
Streng genommen geht es nicht um die absolute Proteinmenge, sondern um
die ausreichende Versorgung mit lebensnotwendigen
Aminosäuren. Pflanzliches Protein besitzt meist eine geringere
Konzentration essentieller Aminosäuren als tierisches Protein.
Durch eine abwechslungsreiche ovo-lacto-vegetarische Ernährung und
eine Kombination verschiedener Proteinträger (z.b. Milch/Getreide,
Getreide/Hülsenfrüchte, Milch/Kartoffeln, Ei/Getreide) kann
ein guter Mix an lebensnotwendigen Aminosäuren erreicht werden. Für
Veganer ist diese Kombinationsvielfalt deutlich reduziert.
Kombinieren Sie regelmäßig diese Gruppen untereinander:
Getreide - bevorzugt Vollkornware
Milchprodukte - fettarme Varianten
Gemüse - u.a. Hülsenfrüchte
Nüsse und Samen
Sehr gute pflanzliche Quellen mit einem hohen Anteil an
essentiellen Aminosäuren stellen zudem Quinoa
und Amaranth dar. Bei einer
ausgeglichenen Energiebilanz, einer ausgewogenen Mischung an Proteinquellen
sollten sich Vegetarier problemlos mit einer adäquaten und qualitativ
hochwertigen Menge an Protein versorgen können.
Vitamin B12
Ein weiterer Nährstoff, der bei einer vegetarischen Ernährung
möglicherweise unterversorgt ist, stellt Vitamin B12 dar. Dieses
Vitamin kann von Pflanzen nicht gebildet werden und kommt daher in großen
Mengen nur in tierischen Lebensmitteln vor ( z.b. Fleisch und Milch).
Vor allem bei Veganern kann demnach die B12-Aufnahme zu niedrig sein.
Da die Leber über einen relativ großen B12-Speicher verfügt,
tritt ein Mangel erst nach Jahren zu Tage. Ein fortgeschrittener Mangel
führt infolge einer Störung der Zellbildung im Knochenmark zu
einer Blutarmut. Weitere Symptome sind:
Taubheit in Händen und Füßen, Müdigkeit, allg. Schwäche,
Geringe Mengen B12 finden sich in milchsauer vergorenem
Gemüse (Sauerkraut). Neben Fleisch befindet sich B12 in Eiern, Milch,
Käse und in Fisch. Da Veganern langfristig eine Unterversorgung drohen
kann, sollten diese auf ein Substitutionspräparat oder ein mit B12
angereichertes Getränk (Säfte) zurückgreifen.
Eisen
Bei Sportlern besteht häufig das Problem einer unzureichenden Versorgung
mit Eisen.
Eisen ist ein wichtiger Bestandteil zahlreicher sauerstoff- und elektronenübertragender
Wirkgruppen (Hämoglobin, Myoglobin, verschiedene Enzyme). Eisenmangel
kann die körperliche Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen.
Durch den Verzicht auf Fleisch entfällt ein wichtiger Eisen-Lieferant.
Eisen wird in sogenanntes Hämeisen und Nicht-Hämeisen unterschieden.
Hämeisen kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor und ist für
den menschlichen Organismus besser verfügbar als das Eisen aus Pflanzen.
Daher kann es bei Vegetariern häufiger zu einer Unterversorgung an
Eisen kommen.
Ein überhöhter Tee- (>1 Liter pro Tag) und Kaffeekonsum kann
die Eisenaufnahme hemmen. Vitamin C kann die Resorption jedoch bis um
das 4-fache steigern.
Gute pflanzliche Quellen sind Gemüse (Spinat, Fenchel, Mangold, Hülsenfrüchte)
und Vollkorngetreideprodukte (Hafer, Vollkornmehl, Weizenkeime, Amaranth,
Quinoa).
Vegetarier sollten zur Optimierung der Eisenaufnahme auf
eine ausreichende Versorgung an Vitamin C (siehe Rezept Bananenquark,
ACE-Salat) achten.
Zink
Zink erfüllt im Stoffwechsel spezifische Funktionen als Bestandteil
zahlreicher Enzyme, Hormone und des Immunsystems. Der Körper besitzt
keinen großen Zinkspeicher, daher ist eine kontinuierliche Zufuhr
zu gewährleisten. Die wesentlichen Quellen für Zink sind (Rindfleisch,
Schweinefleisch, Geflügel) Ei, Milch und Käse.
Gute pflanzliche Quellen sind Vollkornprodukte, Weizen-, Roggenkeime,
Haferflocken, Amaranth
und Quinoa.
Calcium
Ein Defizit an Calcium kommt im Regelfall nur bei Veganern in Betracht,
da bei dieser Gruppe Milch und Milchprodukte vom Speiseplan ausgeschlossen
sind. Relevante Calciummengen finden sich in grünem Blattgemüse.
Dieses weist jedoch auch häufig einen hohen Gehalt an Oxalsäure
auf, welches die Calcium Resorption deutlich behindert. Alternativen sind
calciumreiche Mineralwasser (>300 mg/l) oder mit Calcium angereicherte
Säfte und Lebensmittel.
Fazit
Die veganische Ernährung ist für gesunde Erwachsene nur bei
ausreichendem Ernährungswissen und einer wohlüberlegten Nahrungszusammenstellung
als dauerhaft geeignet. Leistungssportlern insbesondere jugendlichen Athleten
wird im Allgemeinen von einer veganischen Ernährung abgeraten.
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Eine ausgewogene und abwechslungsreiche ovo-lakto-vegetarische
Kost kann auch aus ernährungsphysiologischen Gründen als
Dauerkost empfohlen werden. Es ist jedoch besondere Sorgfalt hinsichtlich
vielfältiger Lebensmittelauswahl geboten.
Eine sorgfältig geplante vegetarische Ernährung zeichnet
sich dann zudem durch einen hohen Anteil an Kohlenhydraten aus. Wer
zuvor eher zuwenig Kohlenhydrate auf dem Speiseplan hatte, kann dadurch
möglicherweise mit einem Leistungsschub rechnen. Dann liegt die
Ursache jedoch nicht in der vegetarischen Ernährung, sondern
in der zuvor bestehenden Unterversorgung mit Kohlenhydraten. |
Vegetarische Ernährung und Gesundheit
Umfangreiche Studien zeigen, dass eine ovo-lacto vegetarische
Ernährung zahlreiche positive Effekt für die Gesundheit mit
sich bringt. So haben im Regelfall Vegetarier seltener Übergewicht,
weniger häufig überhöhten Blutdruck und meistens günstigere
Blutcholesterinwerte.
Dabei ist zu beachten, dass Vegetarier häufig nicht nur auf ihre
Ernährung achten, sondern sich auch in anderen Lebensbereichen gesundheitsbewusster
verhalten als die Durchschnittsbevölkerung. So bevorzugen Vegetarier
oftmals Vollkornprodukte, frisches Obst, Gemüse und Rohkost. Es wird
auf Nikotin und Alkohol weitgehend verzichtet. Körperliche/sportliche
Aktivität hat einen höheren Stellenwert.
Als Folge dieser gesünderen Lebensweise haben Vegetarier ein geringeres
Risiko für Diabetes Mellitus, Gicht, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
und im Regelfall eine höhere Lebenserwartung.
Hans Braun
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