"Gesundheits- und Dopingrisiken von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen"

Symposium am 18. Juli 2002 an der DSHS in Köln

Am 18. Juli 2002 organisierte das Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln ein internationales Symposium zu Gesundheits- und Dopingrisiken von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen. Dieses Symposium ist Teil des Projekts "Harmonisierung des Kenntnisstandes über Gesundheits- und Dopingrisiken von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen in Europa", gefördert von der Europäischen Kommission, Abteilung Erziehung und Kultur, im Rahmen seiner Initiative "Fight against Doping". Partner des Projekts sind die Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Biochemie (D), das Forschungszentrum Seibersdorf, Abteilung Umweltanalytik/ Dopinganalytik (A), die Universität Gent, Abteilung Pharmakologie und Toxikologie/Dopinganalytik (B), die Universität Aberdeen, Abteilung Biomedizinische Wissenschaft und medizinische Schule (GB) sowie die Aristoteles Universität Thessaloniki, Abteilung Sportwissenschaften (GR).

Während des Symposiums wurde eine Einführung in die Thematik gegeben und neueste Forschungsergebnisse vorgestellt zu den Themen:

  • Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln im Sport,
  • leistungssteigernde Effekte von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen,
  • Doping- und Gesundheitsrisiken von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen und
  • Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern und Jugendlichen.

Des weiteren wurden sportjuristische Aspekte zum Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen vorgestellt. Ebenso wurden Initiativen präsentiert, mit dem Ziel die Anzahl unbeabsichtigter Dopingverstöße zu minimieren. Das Symposium wurde vom Generalsekretär der neu installierten Arbeitsgruppe für Ernährung des Internationalen Olympischen Komitees, Prof. Ron Maughan, Universität Aberdeen, eröffnet. Er präsentierte Umfrageergebnisse unter mehr als 10.000 Athleten über den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln. 46% der befragten Athleten nahmen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel zu sich, wobei starke Variationen zwischen unterschiedlichen Sportarten, Alter, soziokulturellem Hintergrund und Leistungsstärke der Athleten auftraten. Der Umfang des Einsatzes von Nahrungsergänzungsmitteln konnte auch anhand von Verkaufszahlen eindrucksvoll belegt werden. Der US-amerikanische Markt für Nahrungsergänzungsmittel hat im Jahr 2000 mehr als 16 Milliarden US Dollar umgesetzt. Prof. Maughan zeigte auch auf, wie stark der äußere Einfluss auf die Athleten ist, solche Produkte zu sich zu nehmen. Hierbei spielen der Rat des Trainers und die begleitende Werbung eine große Rolle. Im Kampf gegen den unreflektierten Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln schlug Prof. Maughan die folgende Strategie vor:

1. Information über die verschiedensten Nahrungsergänzungsmittel und ihre Effekte auf den Organismus und
2. ehrliche und effektive Erziehungsarbeit auf dem Gebiet der Supplemente.

In verschiedenen Vorträgen von Experten aus Griechenland, Belgien, der Schweiz und Deutschland wurden die leistungssteigernden Effekte, Ausmaß und Umfang des Gebrauchs sowie die Dopingrisiken von sozialen Drogen, einschließlich Cannabis, Koffein, Nikotin, Amphetaminen, Ephedrinen und schmerzstillenden Substanzen vorgestellt. Es wurde aufgezeigt, dass Mohnkuchen und spezielle Teesorten Morphin in solch hohen Konzentrationen enthalten können, dass der einmalige Genuss zu einem positiven Dopingbefund führen kann. Dopingrisiken gehen auch von Nahrungsergänzungsmitteln mit Ma Huang, Koffein und Erfrischungsgetränken, die Hanf Produkte enthalten, aus. Die leistungssteigernden Effekte von rauchfreiem Tabak wurden diskutiert.

Ganz neue Erkenntnisse wurden von Dr. Andrea Gotzmann, Deutsche Sporthochschule Köln, vorgestellt. Zwei chinesische Nahrungsergänzungsmittel zur Gewichtsreduktion, die illegal auf dem japanischen Markt vertrieben werden, führten nachweislich zu lebensgefährlichen Gesundheitsschädigungen. Diese beiden Produkte enthielten das Stimulans Fenfluramin und Thyroid Hormone - beide pharmakologischen Substanzen waren nicht auf den Etiketten deklariert.

Dr. Hans Geyer, Deutsche Sporthochschule Köln, präsentierte Daten einer kürzlich abgeschlossenen internationalen Studie. Diese Untersuchung zeigte, dass etwa 15% der nicht hormonellen Nahrungsergänzungsmittel wie z.B. Vitamine, Mineralien, Kreatin etc. verbotene anabole Steroide enthielten, die nicht auf dem Etikett angegeben waren. Die Einnahme solcher Nahrungsergänzungsmittel kann zu positiven Dopingbefunden führen. Die meisten dieser verunreinigten Produkte wurden in den Niederlanden, Österreich, Großbritannien, USA und Italien gefunden. Kürzlich wurden auf dem europäischen Markt drei Supplemente entdeckt, die das Anabolikum Metandienon in hohen Dosen enthielten. Die verschreibungspflichtige Substanz Metandienon war nicht auf dem Etikett deklariert. Dr. Geyer bezeichnete den Verkauf dieser Nahrungsergänzungsmittel als kriminellen Akt. Die Einnahme solcher Produkte ruft ernsthafte Nebenwirkungen und gesundheitliche Schädigungen hervor und führt ebenfalls zu positiven Dopingbefunden.

Daten über die gesundheitlichen Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln wurden von deutschen und britischen Wissenschaftlern vorgestellt. Verschiedene Untersuchungen zeigten, dass die Gabe von sogenannten Prohormonen zu physiologisch relevanten Plasma-Konzentrationen des männlichen Sexualhormons Testosteron führen kann. Diese erhöhten Spiegel können zu ernsthaften gesundheitlichen Schädigungen insbesondere bei Frauen und Jugendlichen führen. Die Prohormone können legal auf dem US-amerikanischen Markt erworben werden. Tenor aller Experten auf diesem Gebiet ist, dass diese Prohormone nicht als frei zugängliche Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sein dürften, sondern als Medikamente anzusehen sind.

Dr. Caterina Pesce, Universität Rom (I), präsentierte neueste Daten über den Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln von italienischen Schulkindern im Alter von 11-13 Jahren. Sie fand heraus, dass 4,5% der elfjährigen und 12,8% der dreizehnjährigen Kinder regelmäßig Aminosäuren und/oder Kreatin einnahmen. Die Kreatineinnahme scheint mit der Ausübung spezifischer Sportarten in Verbindung zu stehen, wohingegen der Konsum von Aminosäuren bei sportlich aktiven wie auch sportlich inaktiven Kindern gleich war.

Gegenstand des Vortrags von Prof. Peter Hespel, Universität Leuven (B) war die am meisten diskutierte Substanz des Nahrungsergänzungsmittelmarktes: Kreatin. Verkaufsdaten belegen einen weltweiten Verkauf von 3.1 Millionen Kilogramm Kreatin im Jahr 2000. Prof. Hespel präsentierte Daten, die einen leistungssteigernden Effekt hinsichtlich Muskelmasse und Muskelkraft nach Kreatingabe in Verbindung mit Krafttraining zeigten. Hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen und Gesundheitsgefahren sind bis heute nur das Kompartiment Syndrom und Gewichtszunahme durch Wasserreinlagerung belegt. Prof. Hespel vertritt die Meinung, dass es für karzinogene Effekte und eine mögliche Beeinträchtigung der Nierenfunktion durch Kreatingaben keine stichhaltigen Argumente gibt.

Die sportjuristischen Aspekte von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen waren Gegenstand des Vortrags von Michele Verroken, UK Sport (GB). Sie präsentierte Regularien Nahrungsergänzungsmittel und soziale Drogen betreffend aus britischer, europäischer und sportverbandspolitischer Sicht. Sie stellte auch erste Ansätze einer neuen Dopingdefinition der World-Anti-Doping-Agency (WADA) vor.

Am Ende des Symposiums fand eine Podiums-Diskussion unter Leitung von Prof. Dr. Mester (DSHS Köln) über die Schwerpunkte und Hauptthemen des Tages statt. Teilnehmer dieser Diskussion waren deutsche Topathleten, die Mannschaftsärzte der deutschen Olympiamannschaft und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, der Leiter des Kölner IOC-Dopinglabors, der Ernährungsberater des Olympiastützpunkts Köln/Bonn/Leverkusen und der Bundestrainer der deutschen Skilanglauf-Nationalmannschaft. Die engagierte Diskussion zwischen Podium und Auditorium zeigte, dass ein enormes Informationsdefizit im Bereich Nahrungsergänzungsmittel - insbesondere bei jugendlichen Athleten und Athleten niedrigerer Leistungsklassen - besteht.

Das Symposium wird die Grundlage für die Herstellung von Lernmaterialien sein. In Zusammenarbeit mit der Medienabteilung Sport-eL der DSHS (Leitung Prof. Dr. Mester) wurden alle Vorträge elektronisch aufgezeichnet und werden in Kürze digital via Internet und CD zur Verfügung stehen. Diese Art der Präsentation ermöglicht die Installation von e-learning-Materialien an den verschiedenen Universitäten der Partner. Zusätzlich zu den Vorträgen wird die digitale Version Video-Kurzinterviews mit den Experten enthalten, worin die am häufigsten gestellten Fragen noch einmal beantwortet werden.
Alle Materialien und Ergebnisse des EU-Projektes und des Symposiums werden in Kürze auf der Internetseite des Instituts für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln präsentiert: www.dopinginfo.de


Text: Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln

 

Die "Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin" hat ebenfalls eine Zusammenfassung des Symposiums veröffentlicht. Den vollständigen Beitrag finden Sie unter:
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de./inh78_2002.htm

 


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