Positive Dopingfälle durch Nahrungsergänzungsmittel

In letzter Zeit häufen sich im Spitzensport die positiven Dopingbefunde aufgrund erhöhter Nandrolonwerte. Das hierbei jedoch nicht zwingend eine Dopingabsicht von Seiten des Athleten vorliegen muss, zeigen Untersuchungen des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln und des Ministeriums ländlicher Raum in Stuttgart.

Eine Ursache dieser Problematik liegt darin, dass in den USA Nahrungsergänzungsmittel mit anabolen androgenen Steroiden legal über dem Ladentisch vertrieben werden können. Diese sog. „natürlichen Steroide“ oder „Prohormone“ werden Einzeln oder in wechselnden Kombinationen unter anderem als muskelaufbauende leistungssteigernde Substanzen angeboten. Diese Produkte sind in vielen Ländern nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, sondern unterliegen (in der BRD) dem Arzneimittelgesetz. Der Handel über das Internet ermöglicht jedoch eine Umgehung dieses Kontrollinstruments.
Diese genannten Verbindungen gehören als verwandte des Testosteron und Nandrolon zu den verbotenen Wirkstoffgruppen der anabolen Substanzen und sind somit laut IOC Dopingreglement verboten.
Grundsätzlich sollte nun jedem Sportler bekannt sein, dass solche eindeutig deklarierten Produkte zu meiden sind. Problematisch für den Athleten wird es jedoch, wenn diese Substanzen auf den Verpackungsangaben nicht angegeben sind.

Das Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln nahm die Nandrolonproblematik zum Anlass Nahrungsergänzungsmittel zu untersuchen. Bisher wurden insgesamt 15 Präparate identifiziert, die verbotene Steroidhormone in geringen Mengen enthielten. Hierbei handelt es sich u.a. um: Creatin-, Guarana-, Tribulus Terrestris-, Chrysin- und Zinkprodukte. Bei Präparaten, die 19-Norsteroide wie 4-Norandrostendion, 4-Norandrostendiol und 5-Norandrostendiol enthalten, reichen in der Regel Verunreinigungen im unteren µg-Bereich pro Kapsel oder Tablette aus, um nach einer oralen Aufnahme einen positive Befund für den Hauptmetaboliten von Nandrolon, nämlich Norandrosteron im Rahmen der Dopingkontrolle zu bewirken.
Auf der Pressekonferenz des Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISP) zur Dopinganalytik 2000 am 8.2.2001 in Köln berichtete Dr. Edelhäußer vom Ministerium ländlicher Raum Stuttgart über Untersuchungen von 138 Nahrungsergänzungsstoffen des deutschen und internationalen Marktes, wobei 16 Produkte mit kontaminierten Steroidhormonen analysiert werden konnten (u.a. Creatin- und Carnitinprodukte).

Es ist nicht geklärt, ob die Hersteller den Produkten absichtlich die nicht deklarierten Stoffe beigemischt haben oder ob es sich um mangelhafte Reinigung der Produktionsanlagen handelt. Sofern jedoch ein Hersteller in seinem Produktionsprozess zunächst die genannten Prohormone verarbeitet und anschließend ohne Reinigung der Maschinen ein Vitaminprodukt herstellt ist es durchaus möglich, dass diese Verunreinigungen zu positiven Dopingbefunden führen.
Auf eine „unbeabsichtigte“ Kontamination deuten zudem die schwankenden Gesamtmengen von Charge zu Charge und Kapsel zu Kapsel innerhalb einer Charge hin. Bei der Untersuchung des Instituts für Biochemie variierten die Gesamtmengen an Steroiden pro Kapsel zwischen 0,3µg und 5000µg.

Aber auch eine Produktion in der BRD ist keine Garantie für ein sauberes Produkt. Dies zeigt unter anderem der Fall eines Fußballspielers von Tennis Borussia Berlin. Er war durch den Konsum eines Creatin Produkts mit der Dopingsubstanz Norandrostendion im Urin positiv aufgefallen. Das nach Aussage des Physiotherapeuten „hierzulande durchaus gängige Produkt“ stammte von einem deutschen Hersteller und wurde in einer Potsdamer Apotheke gekauft. Die Verunreinigung wird von Seiten des Herstellers auf kontaminierte Rohstoffe aus dem Ausland zurückgeführt.


Welche Maßnahmen lassen sich nun daraus für den Athleten ableiten?
  • Athleten sollten alle Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel meiden, die auch Prohormone im Angebot haben.
  • Athleten sollten nur Produkte benutzen, die auf Verunreinigungen überprüft wurden.
  • Athleten sollten grundsätzlich die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln auf Sinn und Notwendigkeit überprüfen. Die Zufuhr ist auf ein Minimum zu reduzieren.
  • Der Konsum aller Nahrungsergänzungsmittel sollte von Seiten des Sportlers genau dokumentiert werden.

Eine Kontamination von Nahrungsergänzungsmitteln mit Prohormonen schließen diese Maßnahmen jedoch nicht aus.

Mehr Informationen zu Nandrolon und Doping finden Sie auf der Homepage des Instituts für Biochemie an der DSHS.

Quelle:
Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, (51) 11, 2000, S.378-382
Institut für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln



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