Positiver Dopingbefund durch Mohnkuchen

Es gibt wohl kaum eine Bäckerei die nicht ein Mohngebäck im Sortiment hat.
Das dies unter Umständen für Spitzensportler zu unangenehmen Folgen führen kann, zeigt eine Untersuchung des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Der bei Backwaren üblicherweise verwendeten Mohn stammt aus den Samen des Schlafmohns. Im wesentlichen liefern die Samen ein wertvolles Speiseöl, welches vorwiegend in Asien, dem Balkan und der Türkei verwendet wird.
Die gesamte Pflanze ist von Milchröhren durchzogen, deren Milchsaft (=Opium) mehrere Alkaloide enthält. Das bekannteste und zugleich mengenmäßig wichtigste Alkaloid ist das Morphin.

Im Stoffwechsel des Menschen kann Morphin unter anderem eine zentral dämpfende (Unterdrückung des Schmerzempfindens) aber auch eine zentral erregende Wirkung ausüben. Nach den Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees gehört Morphin daher zu den verbotenen Substanzen. Bei einer Morphinkonzentration < 1 µg / ml Urin liegt ein positiver Dopingbefund vor.
Nach deutschem Lebensmittelrecht sollte handelsüblicher Blaumohn frei von Morphin sein. Scheinbar sind Spuren dieser Substanz trotzdem häufig nachzuweisen. Bei einer Untersuchung des Instituts für Biochemie wurde bei einer handelsüblichen Blaumohnsorte eine besonders hohe Morphinkontamination nachgewiesen (151,6 µg Morphin/ g Mohn).
Diese Sorte wurde dann zur Herstellung eines gewöhnlichen Mohnkuchens verwendet. Neun Probanden durften diesen Kuchen testen. Im Anschluss an diesen außergewöhnlichen Kaffeeklatsch wurde in regelmäßigen Abständen zur "Dopingkontrolle" gebeten.
Bei einer anschließenden Untersuchung des Urins waren alle 9 Probanden zu mindestens 2 Zeitpunkten positiv im Sinne der IOC Doping-Richtlinien.
Ein Teilnehmer hatte noch nach fast 48 Stunden den Grenzwert von 1 µg Morphin pro ml Urin überschritten.

Die Autoren empfehlen Spitzensportlern daher auf mohnhaltige Produkte zu verzichten.


Quelle:
Thevis, M., Schänzer, W.:
Morphin-Dopingproblematik und Ernährung.
F.I.T., Wissenschaftsmagazin der Deutschen Sporthochschule Köln
Oktober 2000, S. 14-17


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