Pflanzenextrakte und Doping

Auf der Suche nach dem persönlichen Wundermittel neigen einige SportlerInnen dazu auch pflanzliche Präparate kritiklos einzunehmen. Welche ernsthaften Folgen dies haben kann wird im folgenden Beitrag beschrieben.

Pflanzliche Präparate haben sich in der medizinischen Anwendung etabliert. Das Beispiel Echinacin zeigt wie ein pflanzlicher Wirkstoff, als gutes und erfolgreiches Mittel eingesetzt werden kann, sich vor drohenden Viruserkrankungen zu schützen. Wobei auch hier Anwendungszeitpunkt und -dauer zu beachten sind.
Für Athleten kann die Einnahme eines pflanzlichen Präparats jedoch auch überraschende Konsequenzen haben, vor allem wenn die Inhaltsstoffe des Produktes nicht bekannt sind. HochleistungssportlerInnen sollten wissen, daß Ephedrin auf der Dopingliste des IOC zu finden ist. Es gehört zu der Gruppe der Stimulantien.
Bezüglich Ephedrin, Cathin und Methylephedrin gilt eine Urinkonzentration ab 5 µg/ml als positiv. Für Phenylpropanolamin und Pseudoephedrin gelten Urinkonzentrationen ab 10 µg/ml als positiv. Werden im Urin mehrere dieser Substanzen gefunden, so werden die Einzelwerte addiert. Eine Summe ab 10 µg/ml wird dann als positiver Dopingbefund eingestuft.
Ephedrin wird den meisten auch als ein Wirkstoff verschiedener Medikamente ( z.B. Nasensprays, Hustensaft) bekannt sein. Für AthletInnen gilt daher, sich bei Erkrankungen an der Liste der erlaubten Medikamente zu orientieren. Eine Rücksprache mit einem Arzt ist hier jedoch immer ratsam. Positive Dopingbefunde mit Ephedrin sind trotzdem keine Seltenheit. Bei Analysen im Institut für Biochemie (Köln) wurden im Jahr 1999 insgesamt 15 positive Befunde mit Ephedrin registriert. Die Analysen wurden im Auftrag nationaler und internationaler Sportverbände durchgeführt.

Der Ukrainische Kugelstoßer Alexsandr Bagatsch wurde während der Leichathletik WM 1997 bzgl. Ephedrin positiv getestet wurde. Daraufhin wurden ihm seine Goldmedaille sowie die 60.000 $ Preisgeld aberkannt. Sein erhöhter Ephedrinwert wurde auf den Genuß eines Produkts mit dem Namen "Quick Energy" zurückgeführt. Laut Verpackungsangaben handelte es sich nur um ein natürliches Produkt mit "Ma Huang". Anschließend verlangte Bagatsch vom Hersteller des Präparats einen entsprechenden Schadensersatz!

Ma Huang ist ein aus der Mongolei und angrenzenden Gebieten Chinas stammendes Kraut. Es enthält natürlicherweise 1-2% Alkaloide der Ephedrinreihe.
Ma Huang wird auch Ephedrakraut, Ephedra, Evedra oder Meertraeubchen genannt. Es handelt sich dabei um getrocknete, im Herbst gesammelte junge Rutenzweige von Ephedra sinica, Ephedra shennungiana, Ephedra nevadensis oder anderen gleichwertigen Ephedra-Arten. Die Bestandteile der Pflanzen sind gleich, jedoch variiert ihr Anteil. Vergleichsuntersuchungen von synthetischem und natürlichem Ephedrin in verschiedenen Dareichungsformen zeigen vergleichbare Anstiege des Serum Ephedrin Spiegels. Für die Analytik im Dopinglabor ist es jedoch unerheblich woher das Ephedrin stammt. Daher ist es im Regelfall auch ohne Bedeutung ob der/die AthletIn eine Substanz wissentlich oder unwissentlich zugeführt hat.

Wie wirkt Ephedrin?
Ein wesentlicher Effekt von Ephedrin ist der gesteigerte Energieverbrauch sowie eine möglicherweise erhöhte Leistungsfähigkeit. Vor allem aufgrund des gesteigerten Energieverbrauchs werden daher Produkte mit Ma Huang als Schlankheitsmittel angeboten. Mit Werbeslogans wie "Läßt Ihre Pfunde in wenigen Tagen dahinschmelzen" wird die entsprechende Zielgruppe angesprochen.
Optimales Körpergewicht und Gewichtsreduktion stellen auch zentrale Themen bei einigen HochleistungssportlerInnen dar. Die Maßnahmen um das Körpergewicht zu reduzieren können jedoch sehr vielfältig sein. Dies wurde einem niederländischen Radprofi zum Verhängnis, der Schlankheitstropfen bestehend aus 15 verschiedenen Kräutern (inkl. Ephedra) einnahm. Bei einer Dopingkontrolle wurden erhöhte Pseudoephidrinwerte gefunden. Es wird vermutet, daß der Athlet die empfohlene Dosierung des Schlankmachers überschritten hatte. Das Beispiel zeigt jedoch, daß es möglich ist durch den Konsum eines "natürlichen Präparats" mit ernsthaften Dopingproblemen konfrontiert zu werden.

Tödliche Nebenwirkungen
Das der Konsum der Produkte mit Ma Huang zudem nicht ganz ungefährlich ist, zeigen Daten der amerikanischen Gesundheitsbehörde. 17 Todesfälle und über 800 ernsthafte Nebenwirkungen wurden seit 1994 im Zusammenhang mit dem Gebrauch dieser ephedrinhaltiger Produkte erfaßt. Die üblichen Nebenwirkungen werden beschrieben mit Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrythmusbeschwerden, drastischer Blutdruckanstieg... !
Über die Ursachen der tödlichen Folgen gibt es keine eindeutige Erklärung. Es wird vermutet, daß die Verbraucher einem Kräuterextrakt mit "natürlichem Ephedrin" weniger gesundheitliche Komplikationen zuordnen als einem Medikament und es dann durch entsprechende Werbeaussagen leichter zu Überdosierungen im Sinne von "viel hilft viel" kommt. Des weiteren scheint aber auch eine kontinuierliche, niedrigdosierte Aufnahme von Ephedrin problematisch zu sein. Zudem wird angenommen, daß die (Neben-) Wirkungen durch die gleichzeitige Zufuhr von Koffein und Aspirin verstärkt werden.
Unabhängig von den möglichen dramatischen Nebenwirkungen zeigen die beschriebenen Beispiele, daß es durchaus möglich ist durch den Verzehr von Tabletten oder Getränken mit Ma Huang / Ephedra einen positiven Dopingbefund zu riskieren.
Die Problematik für die AthletInnen liegt also darin, daß sie ein "natürliches" Produkt aus Kräuterextrakten zuführen und bei einer evtl. anschließenden Dopingprobe positiv getestet werden. Aufgrund uneinheitlicher Verpackungsangaben kann dem Etikett jedoch nicht unbedingt die korrekte Zusammensetzung des Produkts entnommen werden.

Fazit
Die AthletInnen sollten daher beachten, daß eine Produktbeschreibung wie "bestehend aus natürlichen Substanzen", "reines Naturprodukt" oder "hergestellt aus verschiedenen Heilkräutern" usw. keine Sicherheit bezüglich der Inhaltsstoffe garantiert. Des weiteren gilt in diesem Zusammenhang die auf dem Markt vorhandenen zahllosen Wunderprodukte nicht kritiklos zu substituieren. Leider muss auch immer wieder festgestellt werden, daß einige Präparate mehr versprechen als sie tatsächlich leisten können. Zudem sind, wie oben beschrieben mögliche gesundheitliche Komplikationen nicht auszuschließen.

Lesen Sie dazu unseren Beitrag:

Gefahr aus dem Internet

Link
Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention
Liste erlaubter Medikamente



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